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Dipl.-Ing. Axel Nieberg

Verfasst von spl am 2. März 20092,667 mal gelesen | Kein Kommentar

Heute ein neuer Fra­ge­bo­gen und ein neuer inter­es­san­ter Archi­tekt. Herr Nie­berg ver­tritt eine inter­es­sante, ganz­heit­li­che Her­an­ge­hens­weise, die vom Haus über die Küche bis zur Tür­klinke alles als Gesamt­kon­zept sieht. Alles wird nach Bedarf des­halb auch selbst ent­wor­fen. Nicht zu letzte seine Küchen sind eine Blick auf die Home­page wert.

Dipl.-Ing. Axel Nieberg

Dipl.-Ing. Axel Nieberg

Herr Nie­berg stel­len sie sich vor der ers­ten Frage doch kurz sel­ber vor:
_Axel Nie­berg [an]: Ich habe 2000 mein eige­nes Ate­lier in Han­no­ver eröff­net und arbeite seit dem an hoch­wer­ti­gen Pro­jek­ten im Bereich Archi­tek­tur, Innen­ar­chi­tek­tur und Pro­dukt­de­sign. Der gesamt­heit­li­che Ansatz ist mir sehr wich­tig, des­we­gen wer­den bei mei­nen Pro­jek­ten auch die Möbel größ­ten­teils eigens ent­wor­fen und ange­fer­tigt. Selbst Tür­griffe sind meist eigene Ent­würfe. Ich ver­stehe mich als Manu­fak­tur für beson­dere Ansprü­che und Lösun­gen. Wir bear­bei­ten des­we­gen auch nur eine begrenzte Anzahl an Pro­jek­ten, da mir die direkte Aus­ein­an­der­set­zung mit den Bau­her­ren und deren gute Betreu­ung außer­or­dent­lich wich­tig sind.

Frage 1: Wel­ches war Ihre erste Anstel­lung nach dem Stu­dium?
_an: Nach dem Stu­dium bin ich als pro­jekt­lei­ten­der Archi­tekt in das Büro von Die­ter Nei­kes gegan­gen. Ich habe mich auch nur dort bewor­ben, weil es mir wich­tig war, in einem Büro zu arbei­ten, das mei­nen Archi­tek­tur­ge­dan­ken ent­spricht. Als jun­ger Archi­tekt eine so ver­ant­wor­tungs­volle Posi­tion ein­zu­neh­men ist nicht ein­fach, aber eine sehr gute Schule. Da ich wäh­rend des Stu­di­ums par­al­lel in einem Büro gear­bei­tet habe und bereits selb­stän­dig im Bereich Innen­ar­chi­tek­tur und Design tätig war, hatte ich bereits lang­jäh­rige Pra­xis­er­fah­rung.

Frage 2: Warum sollte ein Bau­herr auf jeden Fall mit einem Archi­tek­ten zusam­men­ar­bei­ten?
_an: Ich bin nicht der Mei­nung, dass jeder Bau­herr mit einem Archi­tek­ten zusam­men­ar­bei­ten sollte. Ein Bau­herr mit archi­tek­to­ni­schem Anspruch sollte sich einen her­aus­ra­gen­den Archi­tek­ten suchen. Mit dem all­ge­mein­gül­ti­gen Aus­druck „Archi­tekt” habe ich ein Pro­blem. Nur weil jemand Archi­tekt ist, heißt das noch lange nicht, dass er auch gut und der Auf­gabe gewach­sen ist. Man schaue sich nur die soge­nann­ten „Archi­tek­ten­häu­ser” an. Die Aus­wahl eines Archi­tek­ten ist für einen Bau­her­ren nicht ein­fach. Ich emp­fehle das Gesamt­werk eines Archi­tek­ten zu stu­die­ren. Archi­tek­ten die mal ein gutes Bau­werk erschaf­fen, gibt es einige. Aber Archi­tek­ten, die durch­weg gute Bau­ten erstel­len nur sehr wenige. Ein Blick in die Liste der ver­öf­fent­lich­ten Bau­werke kann da sehr hilf­reich sein. Außer­dem würde ich einem Bau­her­ren immer ein klei­nes fei­nes Büro und kein Groß­büro emp­feh­len. Die Betreu­ung ist direk­ter und indi­vi­du­el­ler. Und der Büro­in­ha­ber sitzt nicht nur bei der Auf­trags­ver­gabe am Tisch, son­dern beglei­tet das Pro­jekt kon­ti­nu­ier­lich bis zum Ende. In die Köpfe der Auf­trag­ge­ber ist lei­der noch nicht vor­ge­drun­gen, dass selbst an den Groß­pro­jek­ten nicht mehr als 10 Mit­ar­bei­ter arbei­ten. Die klei­nen Büros arbei­ten halt nicht an 20 Groß­pro­jek­ten par­al­lel, son­dern nur an zwei oder drei, dafür aber ganz inten­siv.

Frage 3: Wie wür­den Sie ihren archi­tek­to­ni­schen Stil beschrei­ben?
_an: Grund­sätz­lich werde ich von den Archi­tek­tur­kri­ti­kern in die Kate­go­rie der Mini­ma­lis­ten ein­ge­ord­net. Dies ist sicher auch nicht ganz falsch, aber mir ist die­ses Schub­la­den­den­ken nicht sym­pa­thisch. Ich möchte Räume mit Atmo­sphäre schaf­fen, die durch Mate­ria­li­tät und Licht­füh­rung eine außer­ge­wöhn­li­che Aus­strah­lung erlan­gen. Die Ein­fach­heit stei­gert die Aus­strah­lung der Mate­ria­lien und för­dert die Ruhe der Räume. Mei­ner Mei­nung nach strebt der Mensch grund­sätz­lich nach Ruhe und Gebor­gen­heit. Die­ses ver­su­che ich in mei­ner Archi­tek­tur aus­zu­drü­cken. Sicher ist dies auch ein State­ment gegen unsere moderne hek­ti­sche Gesell­schaft, die sich aus mei­ner Sicht ent­ge­gen der eigent­li­chen mensch­li­chen Bedürf­nisse ent­wi­ckelt.

Frage 4: Wel­ches Buch oder wel­chen Film habe Sie zuletzt gele­sen bzw. gese­hen?
_an: Im Moment lese ich gerade das neue Buch von Hel­mut Schmidt „Aus­ser Dienst“. Sehr gut zu lesen und außer­ge­wöhn­lich weise. Ich mag Men­schen mit sol­cher Weit­sicht. Hel­mut Schmidt gehört für mich zu einer der wich­tigs­ten Per­sön­lich­kei­ten in Deutsch­land. Letzte Woche habe ich im Kino „Zei­ten der Auf­ruhr“ mit Kate Wins­let und Leo­nardo de Caprio gese­hen. Schau­spie­le­risch her­vor­ra­gend, the­ma­tisch in mei­nen Augen nicht ganz aus­ge­reift, da die Rolle der Kin­der voll­kom­men aus­ge­blen­det wird.

Frage 5: Wer sind Ihre Vor­bil­der und warum?
_an: Direkte Vor­bil­der habe ich keine. Es gibt einige Kol­le­gen, die ich sehr schätze wie bei­spiels­weise Peter Zum­t­hor, Car­los Fer­ra­ter, John Paw­son, Paulo David und Beat Con­soni, um nur einige zu nen­nen. Aller­dings bin ich der Mei­nung, dass her­aus­ra­gende Archi­tek­tur nur durch die eige­nen Emp­fin­dun­gen und Prä­gun­gen erzeugt wer­den kann. Nur wenn ein Archi­tekt aus sei­ner eige­nen Über­zeu­gung her­aus arbei­tet, wird außer­ge­wöhn­li­che Archi­tek­tur ent­ste­hen. Da jeder indi­vi­du­ell denkt, sollte man sich auf seine eige­nen Gedan­ken besin­nen. Ich sehe mich eher als Regis­seur und ver­su­che die Bewe­gun­gen und Bezie­hun­gen in den Räu­men zu len­ken, des­we­gen sind fil­mi­sche Arbei­ten für mich sehr inter­es­sant. Die Filme des lei­der ver­stor­be­nen pol­ni­schen Regis­seurs Krzy­sz­tof Kies­low­ski finde ich her­aus­ra­gend.

Frage 6: Ist der Bau­herr König, oder muss ein Bau­herr durch einen erfah­re­nen Archi­tek­ten zu sei­nem Glück geführt wer­den?
_an: Der Bau­herr ist solange König, wie es um sein Anfor­de­rungs­pro­fil und seine Bedürf­nisse geht. Dies muss klar defi­niert wer­den, denn der Bau­herr wird in den zu schaf­fen­den Räu­men lange Jahre leben, nicht der Archi­tekt. Bei der archi­tek­to­ni­schen Aus­for­mung wird der her­aus­ra­gende Archi­tekt sei­nen eige­nen Weg ein­schla­gen. Aus die­sem Grund sollte der Bau­herr den Archi­tek­ten aus­ge­wählt haben und in der Umset­zung die­sem ver­trauen, denn der Archi­tekt ist der Profi. Ich würde einem Arzt auch nicht vor­schrei­ben, wie er eine Ope­ra­tion durch­füh­ren soll.

Frage 7: Wel­cher Bereich im Archi­tek­tur­stu­dium hat Sie für Ihr Berufs­le­ben am Bes­ten vor­be­rei­tet?
_an: Gar kei­ner. Das Ein­zige, was mich für das Berufs­le­ben vor­be­rei­tet hat, war das par­al­lele Arbei­ten im Büro ab dem 4. Semes­ter. Die Archi­tek­tur­aus­bil­dung ist aus mei­ner Sicht eine Kata­stro­phe. Es gibt mei­ner Ein­schät­zung nach kei­nen Absol­ven­ten, der ohne das Arbei­ten neben­her im Büro, fähig ist, den Beruf des Archi­tek­ten aus­zu­üben. Ich kenne kei­nen Stu­di­en­gang, der soviel Mut zur Lücke ver­mit­telt, wie der der Archi­tek­tur. Die Berei­che Bau­recht, Kos­ten­pla­nung, Zeit­ma­nage­ment, Tech­ni­scher Aus­bau wer­den, wenn über­haupt, gerade mal ange­ris­sen. Licht­pla­nung fin­det gar nicht statt. Wie wür­den wir einem Medi­zi­ner gegen­über­tre­ten, der uns sagt, „tut mir leid, das Herz haben wir nicht durch­ge­nom­men.“? Statt des­sen wird nur Ent­wurf gelehrt und das meist auch noch sehr schlecht, weil unöko­no­misch und nicht durch­setz­bar. Ent­würfe zu erstel­len, für die ich nie einen Bau­her­ren finde, hilft den Stu­den­ten nicht wei­ter. Außer­dem wird ein Absol­vent sel­ten eine Erst­an­stel­lung im Bereich Ent­wurf fin­den, da die Archi­tek­ten mit vie­len Jah­ren Berufs­er­fah­rung immer einen rie­si­gen Vor­sprung haben. Die Stu­den­ten soll­ten zu einer Grund­tu­gend zurück­fin­den, näm­lich gut, genau und schnell zeich­nen zu kön­nen. Dann kön­nen Sie unter Anlei­tung von erfah­re­nen Archi­tek­ten im Bereich Aus­füh­rungs– und Detail­pla­nung an inter­es­san­ten Pro­jek­ten mit­ar­bei­ten.

Frage 8: Von Paul Valery stammt der Aus­druck „Archi­tek­tur ist Stein gewor­dene Musik”. Was uns zu der Frage bringt, wel­che Musik Sie zur­zeit gerne hören?
_an: Ich bin musi­ka­lisch nicht sehr fest­ge­legt. Wich­tig sind mir wirk­li­che Musi­ker, die Ihre Instru­mente beherr­schen. Des­we­gen mag ich Bands, die live nicht nur eine Show ablie­fern, son­dern ehr­li­che Musik machen. Gerne darf es dabei auch mal rockig zuge­hen. Live schätze ich BON JOVI sehr, weil sie seit 25 Jah­ren abso­lute Pro­fis sind und trotz über 120 Mio. ver­kauf­ter CD´s nicht satt und genüg­sam wer­den. Meine neuste CD ist die aktu­elle von Bruce Springs­teen „Working on a dream“. Außer­ge­wöhn­lich gut und lei­den­schaft­lich…

Frage 9: Wel­ches Gebäude hät­ten Sie gerne ent­wor­fen und warum?
_an: Eine Alp­hütte. Ursprüng­lich und auf wenige Mate­ria­lien redu­ziert, umge­ben von einer fas­zi­nie­ren­den Natur. Die Berge sind für mich die größte Inspi­ra­ti­ons­quelle. Nir­gends kann man mehr über Licht ler­nen als in den Ber­gen. Wie Le Cor­bu­sier schon sagte: „Die schönste Archi­tek­tur sind die Alpen“.

Frage 10: Archi­tek­tur ist … ?
_an: …die Kom­po­si­tion von Raum, Mate­ria­lien und Licht in Abhän­gig­keit der gefor­der­ten Funk­tio­nen. Oder auch bedeu­tend unbe­deu­tend im Ange­sicht der Pro­bleme der Mensch­heit.

Und zum Schluss Frage 11: Wel­che Frage wür­den Sie wel­cher Per­son gerne stel­len?
_an: Ich würde gerne die Pro­gramm­di­rek­to­ren der Fern­seh­an­stal­ten fra­gen, wann end­lich diese Super­star­sen­dun­gen ein Ende haben und ich wie­der ohne Schock­zu­stand die Fern­be­die­nung betä­ti­gen kann.

Vie­len Dank Herr Nieberg.

Dipl.-Ing. Axel Nie­berg, Archi­tekt
Water­loo­straße 1
Tele­fon 0511−16966−01
www.nieberg-architect.de
mail@nieberg-architect.de


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