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Dipl.-Ing. Gabriele Musil

Verfasst von Sebastian Lauff am 1. Juni 2009951 mal gelesen | Kein Kommentar
Dipl.-Ing. Gabriele Musil

Dipl.-Ing. Gabriele Musil

Zu dem heu­ti­gen Arti­kel möchte ich mal wie­der ein paar ein­lei­tende Worte sagen. Frau Musil besticht durch ihre gekonn­ten Ant­wor­ten und ihre gesunde Ein­stel­lung zur Archi­tek­tur und zur Umwelt­ver­träg­lich­keit. Ihr archi­tek­to­ni­scher Ansatz kommt mir ent­ge­gen. Ich hoffe und denke, dass in den nächs­ten Wochen auch ein Pro­jekt von muwi Archi­tek­ten vor­ge­stellt wird.

Frau Musil stel­len Sie sich vor der ers­ten Frage doch kurz sel­ber vor:
_Gabriele Musil [gm]: Die Ein­tö­nig­keit im Woh­nungs­bau hat mich schon zu Beginn mei­ner Archi­tek­ten­tä­tig­keit 1984 genervt. Dass es noch schlim­mer kom­men kann, hat mich schwer getrof­fen. Hier in Mün­chen kann man sich alles leis­ten, der Markt ver­zeiht alles. Alles glänzt. So schön Neu.
Seit 20 Jah­ren selb­stän­dig im Woh­nungs­bau — ergänze ich meine Erfah­run­gen und Krea­ti­vi­tät als Ener­gie­be­ra­te­rin (Wohn– und Nichtwohngebäude).

Frage 1: Wel­ches war Ihre erste Anstel­lung nach dem Stu­dium?
_gm: Die damals beste Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft in Mün­chen (GBWAG). Der Pla­nungs­chef P. Pet­zold ent­warf und rea­li­sierte Sied­lun­gen, modern mit Altbau-Charme, die mich sehr begeisterten.

Frage 2: Warum sollte ein Bau­herr auf jeden Fall mit einem Archi­tek­ten zusam­men­ar­bei­ten?
_gm: Der Archi­tekt berät neu­tral, ohne finan­zi­elle Inter­es­sen am Ver­kauf ein­zel­ner Pro­dukte. Im bes­ten Fall ent­wi­ckelt der Archi­tekt ener­ge­tisch opti­mierte Gebäude unter Ver­wen­dung von Bau­stof­fen, die in der Her­stel­lung Co2-arm sind und die sich voll­stän­dig recy­celn las­sen oder ihren Wert behal­ten (Metalle). Der Archi­tekt ist der „Regis­seur” am Bau, er setzt den Wunsch des Bau­herrn mit Hilfe sei­nes Wis­sens und sei­ner Krea­ti­vi­tät (Ent­wurf und Werk­pla­nung) und mit Hilfe der ande­ren am Bau Betei­lig­ten in ein Bau­werk um. Wer sonst, außer dem Archi­tek­ten kennt alle Zusam­men­hänge und Notwendigkeiten?

Frage 3: Wie wür­den Sie ihren archi­tek­to­ni­schen Stil beschrei­ben?
_gm: Moder­ner Tra­di­tio­na­lis­mus. Ich muss mir kein Denk­mal bauen. Ich nehme den Geist des Ortes auf und ent­wickle ein moder­nes Gebäude. Hier in Bay­ern haben die his­to­ri­schen Städte eine „geis­tige Fern­wir­kung”. Wenn man weit weg ist, so blei­ben Typo­lo­gien, Cha­rak­ter­züge ein­zel­ner Städte/Stadträume im Gedächt­nis. Ich ver­su­che, mit mei­nen Bau­ten diese Typo­lo­gien auf moderne Art umzu­set­zen, so dass ein neues Gebäude oder eine Sied­lung ent­steht, bei deren Anblick man sich freut, sich zuhause fühlt, ohne zu wis­sen warum (ich ver­rate es: weil jeder Kul­tur­raum ein kol­lek­ti­ves Gedächt­nis für seine tra­di­tio­nel­len Gebäude hat). Ich schnitze aber keine Baluster!!!

Frage 4: Wel­ches Buch oder wel­chen Film habe Sie zuletzt gele­sen bzw. gese­hen?
_gm: Film: Twi­light, Buch: Der Cata­lane von Noah Gor­don (Bekannt von der Medicus).

Frage 5: Wer sind Ihre Vor­bil­der und warum?
_gm: Die Alten. Sie bau­ten bes­ser. Auch aus energetisch/ökologischer Sicht. Die Bau­ten frü­he­rer Gene­ra­tio­nen wur­den für Men­schen gebaut, nicht für die Port­fo­lios von Immo­bi­li­en­fonds. Sie ver­wen­de­ten Mate­ria­len, die es in der Region gab, nicht Gra­nit aus China (Kin­der­ar­beit) weil der inklu­sive Trans­port ein paar Cent bil­li­ger war, als der hei­mi­sche Stein.

Frage 6: Ist der Bau­herr König, oder muss ein Bau­herr durch einen erfah­re­nen Archi­tek­ten zu sei­nem Glück geführt wer­den?
_gm: Frü­her war der Bau­herr oft ein König. Er war sich sei­nes Anspruchs bewusst. Da er aber nicht selbst pla­nen konnte, holte er sich die bes­ten Archi­tek­ten. Dadurch konnte große Archi­tek­tur ent­ste­hen. Heute sind mehr Men­schen finan­zi­ell in der Lage Bau­her­ren zu sein. Unsere Gesell­schaft ist inzwi­schen so ver­schie­den, dass jeder den Archi­tek­ten hat, den er ver­dient. Ich denke, dass nur der zu sei­nem Glück geführt wer­den kann, der sich füh­ren las­sen will.

Frage 7: Wel­cher Bereich im Archi­tek­tur­stu­dium hat Sie für Ihr Berufs­le­ben am Bes­ten vor­be­rei­tet?
_gm: Ver­hal­tens­psy­cho­lo­gie im Bio-Leistungskurs — wich­tig für das Wis­sen, was der Mensch braucht;
Bau­kon­struk­tion, Sta­tik, Haus­tech­nik, Ent­wer­fen an der Som­mer­aka­de­mie in Salz­burg bei Peichl/Holzbauer, Farbe zur Stei­ge­rung des archi­tek­to­ni­schen Aus­drucks, Denkmalpflege

Frage 8: Von Paul Valery stammt der Aus­druck „Archi­tek­tur ist Stein gewor­dene Musik”. Was uns zu der Frage bringt, wel­che Musik Sie zur­zeit gerne hören?
_gm: Peter Fox

Frage 9: Wel­ches Gebäude hät­ten Sie gerne ent­wor­fen und warum?
_gm: Eine Niedrig-Energie-Generationen Sied­lung, mit ver­schie­de­nen Woh­nungs­grö­ßen und einem gemein­sa­men KITA-ATA– Haus im Zen­trum. (KITA — Kin­der­ta­ges­stätte, ATA — Altentagesstätte)

Frage 10: Archi­tek­tur ist … ?
_gm: …(k)ein Schick­sal. Fas­zi­nie­rend. Pri­ckelnd. Nah. Meins. Zum Anfas­sen. Zum Ent­de­cken. Zum Stau­nen. Zum Wohl­füh­len. Zum Freuen. Zum Raus­schauen. Zum Ver­ste­cken­spie­len. Bunt.

Und zum Schluss Frage 11: Wel­che Frage wür­den Sie wel­cher Per­son gerne stel­len?
_gm: …dem Leser die­ses Inter­views: Was fas­zi­niert sie an Architektur?

Vie­len Dank Frau Musil. Ihrer offene Frage „Was fas­zi­niert sie an Archi­tek­tur” gebe ich gerne wei­ter und bin auf die Ant­wor­ten in den Kom­men­ta­ren zu die­sem Arti­kel sehr gespannt.

Dipl.-Ing. Gabriele Musil, Archi­tek­tin
0172/4487369
https://www.muwi-architekten.de
musil.architektin@t-online.de

Über den Author

Sebastian LauffMein Name ist Sebas­tian Lauff, ich bin Archi­tekt und seit 2009 betreibe ich Archimag.de als Hobby. Ich denke damit eine span­nen­den Platt­for­men für Kol­le­gen und allen ande­ren archi­tek­turin­ter­es­sier­ten geschaf­fen geschaf­fen zu haben. Ich freue mich über Eurer Feedback.


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