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Architekturfotograf Oliver Kern

Verfasst von Sebastian Lauff am 21. Mai 2010730 mal gelesen | Kein Kommentar

Heute mal wie­der ein Archi­tek­tur­fo­to­graf aus der klei­nen Arti­kel­reihe. Wir wan­dern in Gedan­ken nach Frei­burg zu Oli­ver Kern.
Wer auch Inter­esse hat sich und seine Fotos vor­zu­stel­len, der kann mich gerne anschreiben.

Oliver Kern

Oli­ver Kern

Frage 1: Herr Kern stei­gen wir direkt ein. Was war das letzte Foto, dass Sie gemacht haben?
_Oliver Kern [ok]: Die letzte Auf­trags­ar­beit waren Innen­auf­nah­men eines Zeiss Stores (Opti­ker) in Bern für „Labor Wel­ten­bau” aus Stutt­gart. Zur Ein­rei­chung für den Red Dot Award für Design.

Frage 2: Wie sind die zur Foto­gra­fie und spe­zi­ell zur Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie gekom­men?
_ok: Zur Foto­gra­fie kam ich nach dem Abitur, zur Zeit mei­nes Zivil­diens­tes, also rela­tiv spät. Mit der alten Minolta Spie­gel­re­flex mei­nes Vaters, habe ich ein paar Filme ver­schos­sen. Land­schaf­ten, Gebäude, ein Paar Freunde, nichts Spektakuläres.

Ich habe mich dann für ein Prak­ti­kum bewor­ben und im sel­ben Betrieb, ein Stu­dio für Wer­be­fo­to­gra­fie, eine Aus­bil­dung ange­fan­gen. Ich habe also nicht unbe­dingt mein Hobby zum Beruf gemacht, wie viele mei­ner Kol­le­gen. Danach habe ich einige Kurz­filme gedreht, es aber nicht zur Auf­nahme einer Film­hoch­schule zum Regie­stu­dium geschafft. Also habe ich als Frei­be­ruf­ler erste Foto­auf­träge gesucht und bekommen.

Zur Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie bin ich glaube ich auch durch meine Lei­den­schaft für Filme gekom­men. Die Archi­tek­tur ist im Film all­ge­gen­wär­tig und defi­niert den phy­si­schen aber auch einen Gewis­sen emo­tio­na­len Raum. Die kon­krete Hand­lung der Per­so­nen ist nur eine von unend­lich vie­len Mög­lich­kei­ten. Ich ver­su­che durch eine Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie nicht nur zu ver­mit­teln wie der Ort tat­säch­lich aus­sieht, son­dern auch wie er sich anfühlt. Man könnte sagen ich möchte sowohl den Ort als auch den idea­li­sier­ten Meta-Ort im Bild ein­fan­gen. Lei­der gelingt das nicht immer. Außer­dem mag ich ein­fach die gra­fi­sche Ord­nung der Archi­tek­tur­fo­to­gra­fie. Ich finde es span­nend in drei­di­men­sio­na­len Objek­ten allein durch einen gra­fi­schen Bild­auf­bau die Prä­zi­sion des Ent­wur­fes zu ver­deut­li­chen.
Manch­mal wir­ken sie dadurch tat­säch­lich fast wie­der zweidimensional.

zeiss Store sizilien

zeiss Store sizilien

Frage 3: Wel­ches Gebäude möch­ten Sie auf jeden Fall noch ablich­ten?
_ok: Es wäre span­nend die geplante Null Emis­sion Stadt „Mas­dar” in Abu Dhabi bei Ihrer Fer­tig­stel­lung zu sehen. Wenn ich dann schon mal da wäre würde ich das neue Formel1 Areal natür­lich mit­neh­men.
In nähe­rer Zukunft werde ich mal nach Weil am Rhein fah­ren und das neue Vitra Gebäude fotografieren.

Frage 4: Gibt es einen Kun­den­kreis bei den Archi­tek­ten, der noch nicht erschlos­sen ist? Und wen ja, warum ist das Ihrer Mei­nung nach so?
_ok: Star­ar­chi­tek­ten. Warum? Weil ich noch kein Star­fo­to­graf bin.

Aber im Ernst. Archi­tek­ten machen gar nicht den Groß­teil mei­ner Auf­trag­ge­ber aus. Obwohl viele mei­ner Jobs zur Archi­tek­tur Bezug haben. Viele Archi­tek­tur­fo­to­gra­fen zie­hen auf eigene Faust los ver­su­chen der Erste am Neu­bau zu sein, und bie­ten die Bil­der dann dem Archi­tek­ten — sozu­sa­gen unauf­ge­for­dert — an. Diese Arbeits­weise kommt bei mir lei­der etwas zu kurz. Auch weil ich kein rei­ner Archi­tek­tur­fo­to­graf bin.

Grossmarkt F

Gross­markt F

Frage 5: Wie sieht Ihre typi­sche Aus­rüs­tung aus?
_ok: Ich arbeite momen­tan mit der Canon 5D MK II.

Frage 6: Ana­log oder Digi­tal?
_ok: Ganz klar Digi­tal.
Das Tilt/Shift Objek­tiv gibt mir die tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten der Gross­for­mat­ka­mera wie­der. (Ver­mei­dung stür­zen­der Linien durch Par­al­lel­ver­schie­bung etc.) Ich bin aber viel Fle­xi­bler bei Details und aus­ge­fal­le­nen Per­spek­ti­ven. Durch diese Fle­xi­bi­li­tät habe ich mehr Bil­der, am Ende eines Tages. Details, Mate­ria­lien, Per­spek­ti­ven, für die man nicht immer die Gross­for­mat auf­stel­len würde, die aber doch die Doku­men­ta­tion eines Objek­tes kom­plet­tie­ren. Die Grösse der Bild­da­ten ist für eigent­lich alle Zwe­cke aus­rei­chend. Natür­lich ist ein 8 x 10 inch Dia immer noch schöner.

Frage 7: Archi­tek­tur und Musik wer­den Par­al­le­len nach­ge­sagt. Hören Sie beim foto­gra­fie­ren oder nach­be­ar­bei­ten Musik und wenn ja wel­che?
_ok: Ich kenne nur den Satz „tal­king about music is like dancing about archi­tec­ture ” von Frank Zappa glaube ich. Aber natür­lich kann Musik, ähnlich wie Archi­tek­tur — beson­ders im Film — beson­dere Stim­mun­gen erzeu­gen. Bei­des zusam­men kann unglaub­lich mäch­ti­gen Ein­fluss auf die Emo­tio­nen haben. Musik kann die Wir­kung eines Bil­des poten­zie­ren oder die Essenz erst offen­ba­ren. Lei­der kann es auch sein, dass man fest­stellt, dass ein gewis­ses Bild ohne Musik gar nicht funk­tio­niert. Momen­tan mag ich Bon Iver, Suf­jan Ste­vens, The Mars Volta, dEUS, The Walk­men, Jon Brion, Foals und Elbow.

Frage 8: Wie stark bear­bei­ten Sie Ihre Fotos nach?
_ok: Da gibts keine Pau­schale. Von fast gar nicht bis sehr stark. je nach dem was ich für eine Vor­stel­lung vom End­pro­dukt habe.

Treppe Stimmung

Treppe Stim­mung

Die nach­fol­gende Fra­gen bezie­hen sich auf das oben gezeigte Foto.

Frage 9: Tol­les Bild mit einer sehr düs­te­ren Stim­mung. Einer­seits führt die Treppe ins Dunkle und Unge­wisse. Auf der ande­ren Seite bekommt man grü­nes Licht dort­hin. Was befin­det sich im Dun­keln und wo befin­det sich die Treppe?
_ok: In Basel. Es ist der Aus­gang einer Pas­sage, wel­che ein Gebäude unter­tun­nelt. Direkt zwi­schen dem Peter Merian Haus und dem Bahn­hof SBB.

Frage 10: War das eine Auf­trags– oder Freie Arbeit? Wenn es eine Freie Arbeit war, was hat Sie an die­sem Bild fas­zi­niert?
_ok: Das war eine Freie Arbeit. Und ein gutes Bei­spiel eines sol­chen Meta-Ortes. Die Archi­tek­tur erzeugt hier nicht nur eine Stim­mung son­dern erzählt fast eine Geschichte. Wir haben die­sen düs­te­ren Ein­gang ins Unge­wisse. Die Mög­lich­kei­ten was im Innern geschieht sind gren­zen­los und viel­leicht erschre­ckend. Aber die grü­nen Pfeile machen Hoff­nung, dass es sich lohnt die Reise anzu­tre­ten; und dass es auf der ande­ren Seite viel­leicht es einen Aus­weg gibt.
Wenn man so will der Arche­typ einer jeden Geschichte.

Frage 11: Kön­nen Sie uns die Ein­stel­lun­gen der Kamera zu dem Bild ver­ra­ten?
_ok: Blende 18, Brenn­weite 24mm, ISO 100.

Frage 12: Wie sieht es mit der Nach­be­ar­bei­tung bei die­sem Bild aus?
_ok:Eigent­lich gar nicht so viel.
Hier und da etwas abdun­keln und die Tex­tu­ren des Betons bes­ser her­aus­ar­bei­ten. Den grü­nen Pfeil gab es tat­säch­lich. Aller­dings nur einen davon und etwas klei­ner. Das Grün habe ich wohl noch etwas intensiviert.

[ OLIVER KERN FOTOGRAFIE ]
KARLSTRASSE 69
79104 FREIBURG

0177 28 52 363
0761 29 23 283

MAIL@OKDV.DE
WWW.OKDV.DE

Über den Author

Sebastian LauffMein Name ist Sebas­tian Lauff, ich bin Archi­tekt und seit 2009 betreibe ich Archimag.de als Hobby. Ich denke damit eine span­nen­den Platt­for­men für Kol­le­gen und allen ande­ren archi­tek­turin­ter­es­sier­ten geschaf­fen geschaf­fen zu haben. Ich freue mich über Eurer Feedback.


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