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E10 — Nürnberg

Verfasst von Sebastian Lauff am 26. Februar 2010728 mal gelesen | Ein Kommentar
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Der 10. Europan-Wettbewerb ist wie berich­tet ent­schie­den. Das Ver­fah­ren war im Januar 2009 unter dem Leit­thema „Euro­pean Urba­nity“ in 62 Städ­ten aus 19 euro­päi­schen Län­dern aus­ge­lobt wor­den. Die Jury ver­gab ins­ge­samt neun Preise, zwölf Ankäufe und vier Lobende Erwäh­nun­gen für die deut­schen Stand­orte in Bot­trop, Elms­horn, Dessau-Roßlau, Leis­nig, Guben, Hei­del­berg, Forch­heim, Nürn­berg und Mün­chen sowie den pol­ni­schen Stand­ort War­schau. Archi­mag stellt die Gewin­ner vor. Heute:

Nürn­berg

Auf­gabe: Nürn­berg will seine Rolle als gesell­schaft­li­ches, wirt­schaft­li­ches und kul­tu­rel­les Zen­trum inner­halb der Metro­pol­re­gion hal­ten und aus­bauen. Mit­tel­fris­tig sind die wich­tigs­ten Her­aus­for­de­run­gen die Gewähr­leis­tung eines guten sozia­len Kli­mas, der krea­tive Umgang mit dem tech­no­lo­gi­schen Wan­del, eine nach­hal­tige, Res­sour­cen scho­nende Ent­wick­lung und die Siche­rung eines sta­bi­len Finanz­haus­hal­tes.
Motor für die Ent­wick­lung des Are­als im west­li­chen Stadt­ge­biet mit einer Größe von 67 ha ist die geplante U-Bahn-Erweiterung, die 2018 in Betrieb gehen soll. Der Flä­chen­nut­zungs­plan sieht einen Anteil von 14 ha für Woh­nen, 16 ha für gemischte Nut­zun­gen und 37 ha Frei­flä­chen vor. Ziel ist die Schaf­fung eines neuen Stadt­quar­tiers mit einer hohen Dichte und Funk­ti­ons­mi­schung.
Die Stadt ver­folgt eine nach­hal­tige Stadt­ent­wick­lung mit einer qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen bau­li­chen Ver­dich­tung, die eine gute Ver­sor­gung der Quar­tiere mit öffent­li­chen
Grün– und Frei­räu­men sowie Ein­kaufs­mög­lich­kei­ten berück­sich­tigt. Mit inno­va­ti­ven, zukunfts­fä­hi­gen Typo­lo­gien sol­len städ­ti­sche Struk­tu­ren mit urba­nen Lebens­qua­li­tä­ten ent­wi­ckelt wer­den. Dabei ist eine Ver­net­zung mit dem nörd­lich angren­zen­den Orts­kern von Klein­reuth her­zu­stel­len. Der zum Rhein-Main-Donau-Kanal gele­gene Land­schafts­raum soll als wesent­li­cher Bestand­teil in das neue Quar­tier ein­be­zo­gen werden.

Preis NU 225 PHILIP GLASS VIOLIN CONCERTO 2ND MOVEMENT

von Adrian Phif­fer, Architekt/Stadtplaner (RO)

„Die Auto­ren der Arbeit haben Pro­bleme mit der gewünsch­ten Urba­ni­tät, die in der Aus­lo­bung ein­ge­for­dert wird. Indem sie Auf­ga­ben kri­ti­sie­ren, kom­men sie zu einer
unge­wöhn­li­chen und dabei höchst ein­fa­chen Lösung, die bei nähe­rer Betrach­tung zwar längst nicht in allen Details über­zeugt, ABER: Es for­mu­liert als ein­zi­ges Pro­jekt eine rele­vante Frage an den Bau­platz und gibt eine – teil­weise pole­misch for­mu­lierte – aber nichts­des­to­trotz sehr ange­mes­sene Ant­wort: Müs­sen wir die immer glei­che Metro­pole anje­den belie­bi­gen Ort trans­fe­rie­ren? Und selbst wenn wir das woll­ten:
Funk­tio­niert immer mehr vom Glei­chen über­all über­haupt? NEIN.
Kön­nen urbane Dichte und agri­kul­tu­relle Nut­zung koexis­tie­ren? JA.
Wenn Dichte nicht als abs­trak­ter Wert ver­stan­den wird, der belie­bige Volu­mina auf Par­zel­len klotzt, son­dern „rich­tige Häu­ser“ Schul­ter an Schul­ter stellt, geht das! Und solange diese nach hin­ten hin atmen kön­nen, ist das ganz wun­der­bar so. Wenn die Qua­li­tät der Rän­der des Tie­fen Fel­des zum Woh­nen ange­zwei­felt wird und des­we­gen kon­se­quent in der Mitte gebaut wird, stimmt das. Dass dabei stra­ßen­mit­tig in Dop­pel­reihe par­kiert wird, befrem­det, ist aber auch sehr rea­lis­tisch und zitiert dazu wie­der nahe­lie­gende Metro­po­len­mo­mente. Wer will denn raus aus der Stadt?
Auto­lose, den Grün­raum nur betrach­ten Wol­lende? NEIN.
Die Ziel­gruppe will sich in die Wiese legen, auf die­ser tram­peln und fah­ren. Und zwar mit dem Auto vor dem Haus. Des­we­gen wer­den die U-Bahn-Zugänge auch nicht – wie­der sehr metro­pol – gefei­ert, son­dern sehr ange­mes­sen inte­griert, bil­den nicht mehr, aber auch nicht weni­ger als einen sehr logi­schen Auf­takt eines Stra­ßen­zu­ges. Die­sem fehlt lei­der ein gestal­te­tes Ende, aber die stra­te­gi­sche Über­le­gung dahin­ter, der Anfang, stimmt. Sehr sogar!“

Preis LC 010 LEAF COMMUNITY

von Paolo Iotti, Archi­tekt (IT), Marco Pava­rani, Archi­tekt (IT)

„Die Blatt-Referenz – die pri­mär nur groß­maß­stäb­lich und wahr­schein­lich nur aus einem Flug­zeug nach­voll­zieh­bar ist – wird im Pro­jekt über­stra­pa­ziert. Deckt man die nörd­lich von Klein­reuth gele­ge­nen Bebau­ungs­vor­schläge aber ab, wird der Blick für Qua­li­tä­ten frei, die im Pro­jekt ste­cken. Jetzt zwar weni­ger „Grund­riss­blatt“, dafür aber span­nende Bau­kör­per­zwi­schen­räume, wel­che den kul­ti­vier­ten Umraum tief in die Bebau­ung zie­hen. Ver­zah­nung mit der Stand­ort­res­source Land­schaft – in eini­gen Vor­schlä­gen für den Bau­platz nur behaup­tet – ist hier struk­tu­rell abge­bil­det und glaub­haft argu­men­tiert. Das Pro­jekt ver­dich­tet – wie­der im Grund­riss – sinn­voll dort, wo dies ange­mes­sen scheint – um die neu zu errich­tende U-Bahn-Station näm­lich – bil­det dort Platz und Mit­tel­punkt und wird dann sehr plau­si­bel weni­ger dicht, fin­gert und fächert immer leich­ter ins ehe­ma­lige Acker­land. Betrach­tet man aller­dings die drei­di­men­sio­nale Rea­li­tät, die so kon­stru­iert wird, erscheint diese unan­ge­mes­sen. Vier– bis Sechs­ge­schos­ser und ein laby­rin­thar­ti­ges Hof­sys­tem? Auf der grü­nen Wiese? Warum eigentlich?“

Ankauf MC 963 URBAN LIFECYCLES

von Daniel Schönle, Architekt/Stadtplaner (DE), Tobias Pieh­ler, Archi­tekt (DE), Isa­bel Fin­ken­ber­ger, Archi­tek­tin (DE)

Der Ent­wurf zeich­net sich durch eine klare städ­te­bau­li­che Glie­de­rung aus. Kon­zen­triert an der Haupter­schlie­ßungs­achse ent­ste­hen ein Bür­ger­zen­trum und ein Markt. Weder weit­läu­fig noch unter­di­men­sio­niert, wird eine ange­mes­sene behut­same Bezie­hung zum vor­han­de­nen klein­städ­ti­schen Gefüge erzeugt, zugleich als öffent­li­ches Bin­de­glied zwi­schen den unter­schied­li­chen Bau­fel­dern. Die offe­nen Bahn­steige hel­fen, sich zu ori­en­tie­ren und tra­gen zur Trans­pa­renz bei, Sicht­be­zie­hun­gen wer­den ermög­licht. In Nord-Süd-Richtung wur­den breite Bewe­gungs­zo­nen ange­ord­net. Die Bau­kör­per vari­ie­ren, die Grund­riss­lö­sun­gen sind eher bekannt.
Das städ­te­bau­li­che Kon­zept des Pro­jek­tes kor­re­spon­diert mit bereits bekann­ten Bei­spie­len von Stadt­er­wei­te­run­gen in Deutsch­land und Europa.
Dabei zeigt das Pro­jekt nicht aus­rei­chend inno­va­tive Lösun­gen in Bezug zum Thema „Euro­pean Urba­nity”. Die­ser Aspekt ist aller­dings beson­ders wich­tig für die Stadt Nürn­berg, da sie mit dem Wett­be­werbs­ge­biet „Tie­fes Feld“ die ein­ma­lige Chance hat, ein gro­ßes, neues Stadt­quar­tier mit einem unver­wech­sel­ba­ren Image zu schaf­fen. Dies erreicht das Pro­jekt weder auf loka­ler noch einer gene­rel­len Ebene. Der vor­ge­schla­ge­nen städ­te­bau­li­chen und archi­tek­to­ni­schen Gestalt gelingt es nicht, die lokale Iden­ti­tät im Bezug zur Stadt Nürn­berg und dem Ort sel­ber zu stär­ken.
In die­sem Sinne schafft der Ent­wurf es nicht, eine Ange­mes­sen­heit in Bezug zu den Poten­zia­len des Grund­stücks und der Situa­tion zu erzeugen.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu E10 — Nürn­berg www.europan.de/europan10/sites/nuernberg.html
Mehr Infor­ma­tio­nen über den Wett­be­werb bekommt Ihr unter www.europan.de

Die ande­ren Städte wer­den bald bei Archi­mag vor­ge­stellt. Bleib auf dem lau­fen­den mit dem RSS-Feed.

Über den Author

Sebastian LauffMein Name ist Sebas­tian Lauff, ich bin Archi­tekt und seit 2009 betreibe ich Archimag.de als Hobby. Ich denke damit eine span­nen­den Platt­for­men für Kol­le­gen und allen ande­ren archi­tek­turin­ter­es­sier­ten geschaf­fen geschaf­fen zu haben. Ich freue mich über Eurer Feedback.


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