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Strom ist nicht länger dumm

Verfasst von Sebastian Lauff am 5. Februar 2010872 mal gelesen | 2 Kommentare
Der dSID® Chip mit 120 W Effektivwertdimmer

Der dSID® Chip mit 120 W Effektivwertdimmer

Ein Freund von mir erzählte mir von digi­al­strom. Ein ein­fa­ches, klei­nes und kos­ten­güns­ti­ges Bau­teil kann bewir­ken, das Steue­rungs­sys­teme im Haus über­flüs­sig wer­den. Das Unter­nehme bei dem er arbei­tet ist sel­ber Mit­glied im Netz­werk und ich finde die Idee so fas­zi­nie­rend ein­fach und gut, dass ich hier bei archimag.de dar­über berich­ten möchte.

Neben dem fol­gen­den Text habe ich ganz unten noch ein Video ein­ge­bun­den, wel­ches zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen bietet.

digi­tal­STROM

digi­tal­STROM nennt sich die Tech­no­lo­gie, die Kom­fort im Haus mit einer Sen­kung des Ener­gie­ver­brauchs ver­bin­det. Ein klei­ner, nicht ein­mal fin­ger­na­gel­gros­ser Chip macht‘s mög­lich. Im Hand­um­dre­hen ein­ge­baut, ver­netzt er elek­tri­sche Geräte über das beste­hende Strom­netz und macht sie über her­kömm­li­che Tas­ter steuerbar.

Wer kennt das Pro­blem nicht: Man rennt aus dem Haus und in der S-Bahn fragt man sich: „Habe ich das Bügel­ei­sen aus­ge­schal­tet?“ Mit digi­tal­STROM erüb­rigt sich diese Frage: Denn beim Ver­las­sen des Hau­ses wird mit­tels eines „Alles-aus-Schalters“, der an jeder belie­bi­gen Steck­dose des Hau­ses ange­bracht wer­den kann, das ganze Haus in Standby ver­setzt. So, wie andere das Licht löschen, schal­ten Sie mit digi­tal­STROM mit einem Tas­ten­druck alle nicht benö­tig­ten Geräte ab. Mög­lich macht dies ein klei­ner Chip. Er gibt jedem Gerät einen ein­deu­ti­gen Namen, ähnlich einem Bar­code oder einer IP-Adresse. Damit wird es direkt ansprech­bar. So kön­nen nicht nur alle Geräte über einen Tas­ten­druck indi­vi­du­ell ange­steu­ert wer­den, es kann zwi­schen ver­schie­de­nen kom­plet­ten Licht­stim­mun­gen gewech­selt werden.

Eine beste­chend ein­fa­che Sache. Der Ein­bau ist schmutz­frei und in weni­gen Augen­bli­cken vom Elek­tro­in­stal­la­teur erle­digt, da die beste­hen­den Strom­lei­tun­gen für die Über­tra­gung genutzt wer­den. Die Pro­gram­mie­rung erfolgt ohne Com­pu­ter. Bei kom­ple­xen Anfor­de­run­gen ist aber Soft­ware­un­ter­stüt­zung dank offe­ner Schnitt­stel­len möglich.

Jedes elek­tri­sche Gerät kann ver­netzt werden

Prin­zi­pi­ell kann jedes elek­tri­sche Gerät mit einem digitalSTROM-Chip aus­ge­stat­tet und in das Inter­net der Dinge ein­ge­bun­den wer­den. Das heisst auch Jalou­sien, Ste­reo­an­lage oder Fern­se­her kön­nen bequem von einem Tas­ter aus bedient wer­den. Über die Bedie­nung hin­aus erlaubt digi­tal­STROM aber auch die Mes­sung des Strom­ver­brauchs bis auf die Ebene des ein­zel­nen Geräts. So wird über ein ein­fa­ches Ampel­sys­tem oder eine Aus­wer­tung am PC ange­zeigt, wenn über­durch­schnitt­lich viel Strom ver­braucht wird. Eine defekte Kühlschrank-dichtung wird damit genauso rasch ent­deckt wie bis­lang der trop­fende Was­ser­hahn. Diese Ener­gie­trans­pa­renz führt zu einem bewuss­te­ren Umgang mit Ener­gie – und zu einem tie­fe­ren Stromverbrauch.

digi­tal­STROM als Basis für das Smart Grid

Elek­tri­sche Geräte kön­nen dank digi­tal­STROM auch auf Impulse aus ihrer Umge­bung rea­gie­ren – sofern der Nut­zer dies wünscht. Mel­det z.B. ein Elek­tri­zi­täts­werk „Ach­tung, der Strom wird jetzt dann knapp und damit teu­rer“, kühlt der Kühl­schrank vor. Wird die­ses Prin­zip in vie­len Haus­hal­ten ange­wandt, las­sen sich die soge­nann­ten Last­spit­zen sen­ken. Das heißt, zu den Spit­zen­zei­ten muss nicht mehr so viel Ener­gie pro­du­ziert wer­den und es könn­ten ein­zelne Kraft­werke ein­ge­spart wer­den. Damit ist digi­tal­STROM eine gute Basis für intel­li­gente Strom­netze − neu­deutsch: Smart Grids − und wich­ti­ger Bei­trag zu Ver­hin­de­rung der viel­dis­ku­tier­ten Strom­lü­cke. Ein net­ter Neben­ef­fekt für die Haus­be­woh­ner: Sie könn­ten von nied­ri­gen Strom­prei­sen pro­fi­tie­ren und so Geld sparen.

Daten­schutz als zen­tra­ler Aspekt

digi­tal­STROM ist aber kei­nes­wegs ein Sys­tem zu Fern­steue­rung– oder Fern­über­wa­chung von Gerä­ten durch Dritte. Das Sys­tem ist auf den Raum und die Woh­nung ange­legt − und außer­halb prin­zi­pi­ell unsicht­bar. Die Über­tra­gung über die Strom­lei­tung macht digi­tal­STROM äußerst abhör­si­cher. Wol­len Funk­tio­nen über das Inter­net genutzt wer­den, muss beim Siche­rungs­kas­ten ein klei­ner Ser­ver ein­ge­baut wer­den, der die Kom­mu­ni­ka­tion nach außen über her­kömm­li­che Internet-Datenverbindungen ermög­licht. Ob und wie die Geräte auf Infor­ma­tio­nen von außen rea­gie­ren, kann jeder Benut­zer sel­ber festlegen.

10 mal weni­ger Strom­ver­brauch als andere Systeme

digi­tal­STROM ist nicht ein­fach ein neues Bus-System für die Haus­au­to­ma­tion. Das Kern­stück der Tech­no­lo­gie, der Hoch­volt­chip dSID, ver­fügt über mehr als 40 Basis­funk­tio­nen − Dim­mer, Sen­so­ren, Netz­teil, Pro­zes­sor − alles in einem 4 mal 6 Mil­li­me­ter gro­ßen Chip ver­baut. Zugleich ver­braucht der Chip weni­ger als 0.3 Watt Strom. Mit einer Bau­größe, die 50 bis 100 mal klei­ner und einem Strom­ver­brauch, der 10 mal gerin­ger ist als jener von ande­ren Sys­te­men, bie­tet digi­tal­STROM ent­schei­dende Vor­teile. Abge­run­det wer­den diese durch den ein­fa­chen Ein­bau: Für den Elek­tro­in­stal­la­teur wird der Chip in Klem­men ver­gos­sen, die einem ein­fa­chen Farb­schema fol­gen. Sie wer­den in beste­hende Tas­ter ver­baut oder an die ein­zel­nen Geräte mon­tiert. Dank der Über­tra­gung über das beste­hende Strom­netz müs­sen keine neuen Lei­tun­gen ver­legt wer­den, was digi­tal­STROM beson­ders für beste­hende Bau­ten attrak­tiv macht. Alte Geräte funk­tio­nie­ren in einer digitalSTROM-Installation wie bis­her, was einen stu­fen­wei­sen Ein­stieg in die Tech­no­lo­gie ermöglicht.

Swiss Qua­lity & Ger­man Engineering

Ent­wi­ckelt wurde digi­tal­STROM vom Chip­de­si­gner Wil­fried Beck und dem Archi­tek­ten und Infor­ma­ti­ker Lud­ger Hove­stadt, Pro­fes­sor an der Eid­ge­nös­si­schen Tech­ni­schen Hoch­schule (ETH) Zürich. Gemein­sam grün­de­ten sie die Firma aizo mit Sitz in Wetz­lar und Zürich, die den Chip ent­wi­ckelt und ab 2010 ver­treibt. Zur Siche­rung und Ver­brei­tung des Stan­dards wurde zudem unter der Schirm­herr­schaft der ETH Zürich die Nonprofit-Organisation digitalSTROM.org gegrün­det. Sie ver­bin­det Instal­la­teure, Indus­trie, Elek­tri­zi­täts­ver­sor­ger und Entwickler.

Wei­tere Infor­ma­tion:
Lukas Wid­mer
Head of Com­mu­ni­ca­tion
digitalSTROM.org
Brand­strasse 33
CH-8952 Schlieren-Zürich
T +41 44 445 99 59
lukas.widmer@digitalstrom.org

Über den Author

Sebastian LauffMein Name ist Sebas­tian Lauff, ich bin Archi­tekt und seit 2009 betreibe ich Archimag.de als Hobby. Ich denke damit eine span­nen­den Platt­for­men für Kol­le­gen und allen ande­ren archi­tek­turin­ter­es­sier­ten geschaf­fen geschaf­fen zu haben. Ich freue mich über Eurer Feedback.


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