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Adlershof, Berlin

Verfasst von Sebastian Lauff am 1. Juli 20093,778 mal gelesen | Kein Kommentar

Adlershof - Berlin

Adlers­hof — Ber­lin

SOLON AG Adlershof

Heute gibt es einen etwas ande­ren Arti­kel aus der Reihe Vor­ge­stellt. Ich ver­su­che nor­ma­ler­weise mit den Archi­tek­ten zusam­men eigene Texte über Wohn­häu­ser zu erstel­len. Der fol­gende Text weicht hier aus zwei Grün­den ab. Ers­tens han­delt es sich um einen gewerb­li­chen Bau und zwei­tens ist der Text zum größ­ten Teil einer Pres­se­mappe entnommen.

Flä­che: 36.000 m2 Grund­stücks­flä­che, Gesamt­nutz­flä­che Ver­wal­tung ca. 8.300 m2, Gesamt­nutz­flä­che Pro­duk­tion ca. 18.900 m2

Gebäu­de­höhe: 15,5 m

Geschosse: 4

Auf­züge: 2

Beson­der­hei­ten: zusätz­li­cher Umlauf­auf­zug, bekannt als Pater­nos­ter, der erste seit 1974 in Deutsch­land gebaute und zugelassene

Archi­tekt: SFA / Schulte-Froh linde Archi­tek­ten, Berlin

Ener­gie­de­sign, TGA-Entwurf, Bau­phy­sik: EGS-plan, Stutt­gart

Bei dem Adler­hof in Ber­lin hat man sich hohe Ziele für den Ener­gie­be­darf gesetzt. Die Pro­duk­tion und Ver­wal­tung soll durch den Ein­satz von erneu­er­ba­rer Ener­gie über den Betrieb eines Biogas-BHKW (noch nicht fer­tig gestellt) und der Pho­to­vol­ta­ik­an­lage mit 210 kWp betrei­ben wer­den. Hier­durch soll eine Redu­zie­rung des Ener­gie­ver­brauchs auf ein Vier­tel im Ver­gleich zu Büro­ge­bäu­den glei­cher Grö­ßen­ord­nung und Funk­tion erreicht werden.

Das Ver­wal­tungs­ge­bäude soll einen jähr­li­chen Pri­mär­en­er­gie­auf­wand von < 100 kWh/(m2a) und eine jähr­li­chen Heiz­wär­me­be­darf von < 40 kWh/(m2a) errei­chen.

SOLON arbeiten auf dem Dach

Beschrei­bung zur Gestal­tung des Frei­raums durch hochC Land­schafts­ar­chi­tek­tur

Idee

Das Pro­jekt ver­folgt den Anspruch, sowohl Gebäude als auch Frei­an­la­gen in einem ganz­heit­li­chen Gestal­tungs­kon­zept zu ver­ei­nen. Der Frei­raum nimmt Bezug auf die cha­rak­te­ris­ti­sche Hoch­bau­ar­chi­tek­tur, die durch das zur Köpe­ni­cker Straße hin geneigte, inten­siv begrünte und mit Pho­to­vol­ta­ik­mo­du­len aus­ge­stat­tete Ver­wal­tungs­dach geprägt ist.

Die geschwun­gene Sil­hou­ette des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des wirkt als mar­kante Geste zum Gar­ten­raum. Mit einer Abfolge von Was­ser­be­cken, Weg und Park­an­lage rea­giert die Gestal­tung der Frei­an­la­gen auf diese Formensprache.

Das Gelände des SOLON– Parks wird mit dem Boden­aus­hub des Gebäu­des model­liert, sodass ein topo­gra­fisch sehr cha­rak­te­ris­ti­scher Park ent­steht. Zur Köpe­ni­cker Straße hin steigt das Gelände an.

Sämt­li­ches Regen­was­ser wird auf dem Grund­stück ein­ge­setzt und zur Ver­si­cke­rung gebracht. Ein Kas­ka­den­sys­tem aus cha­rak­te­ris­ti­schen Sicker­mul­den greift die­ses Thema kon­zep­tio­nell auf.

Manage­ment Bodenaushub

Der größte Teil des Boden­aus­hubs wird in den Frei­an­la­gen in Form einer zur Köpe­ni­cker Straße hin anstei­gen­den Boden­mo­de­lie­rung auf­ge­bracht. Diese Wie­sen­land­schaft schiebt sich ent­ge­gen der Nei­gungs­rich­tung der Dach­land­schaft in den Außen­raum und nimmt somit Bezug auf die Hoch­bau­ar­chi­tek­tur. So kann zugleich die Abfuhr von Boden mini­miert wer­den. An der Köpe­ni­cker Straße schließt die Anschüt­tung mit einer Mauer ab, sodass die Außen­an­la­gen gegen­über der viel­be­fah­re­nen Straße etwas abge­schirmt sind und den SOLON­Mitarbeiterinnen ein beru­hig­ter Gar­ten­raum zur Ver­fü­gung steht.

Regenwasser-Management

Das auf die Dach­flä­chen fal­lende Regen­was­ser wird zum größ­ten Teil bereits durch die Dach­be­grü­nung absor­biert. Der übrige Abfluss wird in einer Zis­terne gesam­melt und als Grau­was­ser für Toi­let­ten, Brun­nen­nach­spei­sung und Gar­ten­be­wäs­se­rung wei­ter­ge­nutzt bzw. der Sicker­kas­kade im Frei­raum zuge­führt. Sämt­li­che befes­tigte Außen­flä­chen ent­wäs­sern eben­falls in Sicker­mul­den bzw. Sickerpackungen.

Schnitt­stelle zum öffent­li­chen Raum

Dem Wunsch des Bau­herrn fol­gend ist keine Ein­frie­dung vor­ge­se­hen. Die Gestal­tung rea­li­siert trotz­dem eine deut­li­che Abgren­zung zum öffent­li­chen Raum: Im Bereich der Köpe­ni­cker Straße durch die Stütz­mauer sowie an der Straße Am Stu­dio durch die Pflan­zung und das Was­ser­be­cken. Im Bereich der inne­ren Erschlie­ßungs­straße gibt es ver­senk­bare Pol­ler, an der LKW-Zufahrt eine Schrankenanlage.

Der Weg an der Ost­seite des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des ist frei zugäng­lich, wenn­gleich externe Pas­san­ten wahr­neh­men, dass man sich auf pri­va­tem Ter­rain befin­det. Hier wird es zukünf­tig eine fuß­läu­fige Anbin­dung bis zum S-Bahnhof Adlers­hof geben.

Hal­len­dach

Für das Hal­len­dach ist eine exten­sive Dach­be­grü­nung aus ver­schie­de­nen Sedu­m­ar­ten vor­ge­se­hen. Die Pflanz­strei­fen ent­spre­chen der Aus­rich­tung und locke­ren Ver­tei­lung der Sheds und sind in den durch­ge­hen­den Sedum­tep­pich ein­ge­streut. Diese Strei­fen sind wech­selnd aus Laven­del­heide sowie Stein­ro­sen­flur (gemischte, nied­rige Stau­den, exten­siv zu pfle­gen) kon­zi­piert. Rund um die Dach­durch­drin­gun­gen set­zen die Kies­strei­fen das Thema der block­ar­ti­gen Strei­fen­ge­stal­tung fort..

Ver­wal­tungs­dach

Das Dach des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des ist als Auf­ent­halts­flä­che für die Mit­ar­bei­ter kon­zi­piert. Auf Holz­ter­ras­sen aus hei­mi­scher Eiche ent­lang der Trep­pen­haustürme wer­den bequeme Sit­z­ele­mente vor­ge­se­hen. Der höchste Abschnitt des Daches ist zugleich auch der am wenigs­ten geneigte Teil. Hier sind punk­tu­ell Klein­bäume wie schirm­för­mige Fel­sen­bir­nen ein­ge­plant, es gibt eine Lie­ge­wiese und einen klei­nen „Sand­strand” mit Was­ser­be­cken. Im Bereich der Auf­züge kön­nen an einem Platz um eine kleine Bar Ver­an­stal­tun­gen und Emp­fänge im Freien stattfinden.

Die übrige, bepflanzte Flä­che des Daches wird als Rasen­flä­che aus­ge­führt. Die fünf Innen­höfe sind wie leuch­tende Bil­der in die Wie­sen­land­schaft des Daches eingeschnitten.

Außen­raum

An der geschwun­ge­nen Fas­sade des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des zieht sich ein gro­ßes Was­ser­be­cken ent­lang, fort­ge­setzt durch ein schma­les Becken ent­lang der Straße Am Stu­dio. Das Ver­wal­tungs­ge­bäude scheint so förm­lich auf dem Was­ser zu ste­hen, in wel­chem sich das Solar­dach spie­gelt. Unter dem über­ste­hen­den Solar­dach sind Was­ser­spru­del vor­ge­se­hen. Gespeist wer­den die Becken aus der Grauwasser-Zisterne. Runde Schil­fins­eln und ein Schilf­gür­tel an der in den Park inte­grier­ten Restau­rant– Ter­rasse lockern das große Was­ser­be­cken auf und rei­ni­gen das Was­ser. So kann auf auf­wän­dige Fil­ter­an­la­gen ver­zich­tet werden.

Die Kas­kade aus Sicker­mul­den auf der geneig­ten Frei­flä­che nimmt das über­schüs­sige Regen­was­ser des Ver­wal­tungs­da­ches auf und macht die tech­ni­sche Not­wen­dig­keit der Ver­si­cke­rung zu einem wesent­li­chen Gestal­tungs­ele­ment des Außen­rau­mes. Die Flä­che ist über­stan­den mit locke­ren Baum­grup­pen, die zur Grund­stücks­grenze hin dich­ter wer­den. Hier wer­den als Leit­ge­hölze blü­hende Wild­obst­bäume wie Wild­ap­fel, Wild­kir­sche und Wild­birne gepflanzt. Auf der klei­nen „Insel” in der gro­ßen Sicker­mulde steht als Soli­tär ein impo­san­ter Amber­baum. Wenn die Erwei­te­rungs­flä­chen in Rich­tung Osten rea­li­siert wer­den, soll als ver­bin­den­des Ele­ment über die Insel ein Metall­steg führen.

Die mit einer strei­fen­för­mig struk­tu­rier­ten Matrize ver­se­hene und leicht geneigte Beton­mauer, die das Gelände zur Köpe­ni­cker Straße hin abfängt, ist ana­log des Gelän­de­ver­laufs abge­schleppt. Eine Pro­me­nade aus grauer was­ser­ge­bun­de­ner Decke zwi­schen Matri­zen­mauer und Was­ser­be­cken lädt mit ihren Bän­ken zum Ver­wei­len ein.

Solar­tank­stelle

Ein klei­ner in die Mauer inte­grier­ter Platz an der Ecke Köpe­ni­cker Straße/Am Stu­dio ist Stell­platz für acht Vectrix-Solarroller. Eine in die Mauer ein­ge­las­sene Akku­stands­an­zeige mit Lade­steck­do­sen ist mit der Bat­te­rie des auf dem gebösch­ten Park­ge­lände ste­hen­den Solar­mo­vers verbunden.

Vor­gar­ten

Zwi­schen dem Geh­weg Am Stu­dio und den bei­den Gebäu­den wird eine reprä­sen­ta­tive Vor­gar­ten­zone aus­ge­bil­det. Dort wird die Struk­tur der Holz-Glasfassade in der Pflan­zung auf­ge­nom­men. Geschnit­tene Hecken aus Buchs vor den brei­ten Hol­z­ele­men­ten glie­dern Pflanz­flä­chen, die mit Laven­del, wei­ßen Rosen, Rasen und Geo­phy­ten bepflanzt sind.

Höfe

Jeder Hof hat eine eigene, starke Gestal­tungs­idee, die vom Dach und Innen­raum aus wie ein Bild betrach­tet wer­den kann. Die indi­vi­du­ell beleuch­te­ten Höfe sind begeh­bar und die­nen der Erho­lung der SOlON-Mitarbeiter. Aus den ver­schie­de­nen Blick­win­keln ent­ste­hen viel­fäl­tige Bild­aus­schnitte, die je nach Jah­res– und Tages­zeit vari­ie­ren und immer neue Asso­zia­tio­nen wecken. Sämt­li­ches Regen­was­ser wird an Ort und Stelle zur Ver­si­cke­rung gebracht.

Hof 1 — „Hima­laya­bir­ken auf grü­ner Wellenlandschaft”

Von einem mit Dolo­mit­plat­ten befes­tig­ten Rah­men gefasst, steht hier ein locke­rer Bir­ken­hain auf einer wel­li­gen Rasen­land­schaft aus Bären­fell­gras. Im Früh­ling blü­hen dazwi­schen die Früh­jahrs­geo­phy­ten (Rie­sen­zier­lauch). Pfade zwi­schen den Rasen­hü­geln sind mit hel­lem Dolo­mit­splitt belegt. Auf­ge­wei­tete Splitt­flä­chen bie­ten Sitz­mög­lich­kei­ten an.

Hof 2 — „Pflau­men­weiß­dorne auf geneig­ter Ebene”

In eine dunkle Flä­che aus son­der­ge­fer­tig­ten, groß­for­ma­ti­gem Kie­sel­be­ton ist eine geneigte Rase­ne­bene ein­ge­las­sen, die seit­lich beleuch­tet ist und in der drei schirm­för­mige Pflau­men­weiß­dorne plat­ziert sind. Unter dem über­dach­ten und des­halb nicht begrün­ten Bereich wer­den Sitz­ge­le­gen­hei­ten auf­ge­stellt, die auch bei Regen genutzt wer­den können.

Hof 3 — „Bambus-Ovale im Holzdeck”

Die Hof­flä­che ist als Holz­deck aus bran­den­bur­gi­scher Eiche aus­ge­bil­det, in wel­ches ovale Pflanz­in­seln mit ver­schie­den Bam­bus­ar­ten ein­ge­las­sen sind. Rote, weiße und oran­ge­far­bene Sit­z­ele­mente wir­ken wie auf das Holz­deck gestreut. In der schat­tigs­ten Par­tie sind zwei indi­vi­du­ell für SOLON ent­wor­fene Kunst­ob­jekte, die soge­nann­ten „Light­ing reeds” des Ber­li­ner Licht­künst­lers Sven Weber in die Ovale eingefügt.

Hof 4 — „Schie­fer­schol­len mit Brun­nen­trog und Winterkirschen”

Gerahmt von dunk­len Bän­dern aus Basalt­plat­ten liegt etwas abge­senkt ein Feld aus indi­vi­du­ell geschich­te­ten, natur belas­se­nen Schie­fer­schol­len (Theu­ma­rer Frucht­schie­fer). Drei Zier­kir­schen kon­tras­tie­ren mit die­ser Schol­len­land­schaft. Basalt­plat­ten und Schie­fer­feld setzt den dunk­len Boden­be­lag (Basalt) im Atrium des Gebäu­des im Außen­raum the­ma­tisch fort und erin­nert an sich auf­tür­mende Eis­schol­len in der win­ter­li­chen Ost­see. Ein ste­tig über­lau­fen­der und beleuch­te­ter Was­ser­trog aus Klein­zie­gen­fel­der Dolo­mit bie­tet einen kon­tem­pla­ti­ven Ort.

Hof 5 — „Restau­rant­gar­ten mit medi­ter­ra­nem Flair”

Der Hof dient als Frei­raum für das benach­barte Restau­rant und ist mit einem hel­len Plat­ten­be­lag aus Dolo­mit aus­ge­stat­tet, auf dem in locke­ren Grup­pen Kübel­pflan­zen ste­hen. Außer­dem prägt den Hof eine lang gestreckte Brun­nen­skulp­tur. Die kugel­för­mig geschnit­te­nen Buchs­pflan­zen kön­nen im Hof über­win­tern, wäh­rend die medi­ter­ra­nen Arten wie Ole­an­der, Schmuck­li­lien, Hanf­palme und Blei­wurz ins Win­ter­quar­tier kom­men und ab dem Früh­som­mer ihre Blü­ten­pracht entfalten.

Über den Author

Sebastian LauffMein Name ist Sebas­tian Lauff, ich bin Archi­tekt und seit 2009 betreibe ich Archimag.de als Hobby. Ich denke damit eine span­nen­den Platt­for­men für Kol­le­gen und allen ande­ren archi­tek­turin­ter­es­sier­ten geschaf­fen geschaf­fen zu haben. Ich freue mich über Eurer Feedback.


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